Unkraut vergeht nicht – stimmt nicht! Projekt zum Schutz von bedrohten Ackerwildkräutern

Prof. Dr. em. Wolfgang Schumacher (Mitte) erklärt die Unterschiede und Besonderheiten der in den Beeten vermehrten seltenen Ackerwildkräuter.
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Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher (Mitte) erklärt die
Unterschiede und Besonderheiten der in den Beeten vermehrten
seltenen Ackerwildkräuter. Außerdem zu sehen (v.l.n.r.):
Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung
Rheinische Kulturlandschaft, Dr. Michael Faber, LVR-Freilicht-
museum Kommern, Tobias Marchand, Geschäftsführer Bayer
CropScience Deutschland GmbH, Dr. Helmut Schramm,
zukünftiger Geschäftsführer Bayer CropScience Deutschland
GmbH. Die Beete mit seltenen Ackerwildkräutern wurden im
LVR-Freilichtmuseum Kommern angelegt.

(27.06.2011) Dass sogar Unkraut auf der Roten Liste der bedrohten Arten Nordrhein-Westfalens stehen kann, mag auf den ersten Blick überraschen.

Die Ursachen sind jedoch laut Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, leicht zu erklären:


„Ziel der landwirtschaftlichen Nutzung ist es, Nahrungsmittel und nachwachsende Rohstoffe zu produzieren. Dazu müssen für die Kulturpflanzen gute Bedingungen geschaffen werden. Seit jeher haben wir Landwirte daher Maßnahmen zur Unterdrückung von Ackerwildkräutern ergriffen, um die Wachstumsbedingungen für Nutzpflanzen zu verbessern. In früheren Zeiten waren diese Maßnahmen weniger effizient als heutzutage, sodass inzwischen einige Ackerwildkrautarten vom Aussterben bedroht sind.“

Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung, erklärt: „Arten wie Acker-Rittersporn, Sommer-Adonisröschen, Gezähnter Feldsalat oder Acker-Wachtelweizen gingen in den letzten Jahrzehnten zurück. Diese Arten reagieren - im Vergleich zu immer noch weit verbreiteten Unkräutern - empfindlicher auf die unter den Pflanzen herrschenden Konkurrenzverhältnisse. Einige der seltenen Arten kamen schlechter mit Pflanzenschutzmitteln, geänderten Anbaubedingungen und Fruchtfolgen zurecht. Dies führte dazu, dass sie in die Rote Liste aufgenommen werden mussten.“

Um dem Artenverlust entgegenzuwirken, sammelt die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft Saatgut seltener Ackerwildkräuter und vermehrt dies lokal in Handarbeit in Beeten. Anschließend wird das so gewonnene Ackerwildkraut-Saatgut auf geeigneten Flächen in der Region ausgebracht, deren angepasste Bewirtschaftung sichergestellt wird. Die Beete werden u. a. auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseums Kommern zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter des Museums helfen bei der Betreuung der Flächen tatkräftig mit.

Finanziell wird das Projekt von der Bayer CropScience Deutschland GmbH unterstützt. Der Geschäftsführer, Tobias Marchand, erläutert die Gründe für das Engagement des Unternehmens: „Auf Grundlage unseres Know-hows und unserer Innovationskraft wollen wir mit weiteren Partnern unseren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft leisten. Wir streben nach einem tiefen Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Ökosystemen und unseren Pflanzenschutztechnologien. Dies soll erreicht werden, in dem wir dazu beitragen, die Produktivität auf Flächen zu erhöhen, die bereits landwirtschaftlich genutzt werden, um eine Umwandlung von natürlichen Lebensräumen in Grenzertragsböden zu vermeiden.

Das Ackerwildkrautprojekt ist Teil unsere Aktivitäten zur Bewahrung der Biodiversität. Nicht jeder Acker ist für dieses Projekt geeignet: Von Natur aus magere Standorte bieten für den Schutz seltener Ackerwildkräuter besonders gute Bedingungen. Die meisten Ackerflächen jedoch eignen sich eher für eine produktive Bewirtschaftung und sind dieser sinnvoller weise vorbehalten. Eine moderne und damit multifunktionale Landwirtschaft kann auf diese Weise vielfältige Aufgaben erfüllen: Produktive Flächennutzung und Bewahrung der Biodiversität. Dies ist genau die Intention, die wir unterstützen. Deshalb fördert Bayer CropScience das Ackerwildkrautprojekt.



Weitere Infos zum Projekt...

Venuskamm
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Auch zum Venuskamm (Scandix pecten-veneris) weiß Prof. em.
Dr. Wolfgang Schumacher (links) den Zuhörern Friedhelm Decker,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung,
Tobias Marchand, Geschäftsführer Bayer CropScience
Deutschland GmbH und Dr. Helmut Schramm, zukünftiger
Geschäftsführer Bayer CropScience Deutschland GmbH,
Interessantes zu berichten.

Infoschild
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Dr. Michael Faber und Prof. Dr. em. Schumacher präsentieren
das neue Infoschild zum Ackerwildkrautschutzprojekt für die
Besucher des LVR-Freilichtmuseums in Kommern.

Acker-Rittersporn
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Vom Aussterben bedroht: Acker-Rittersporn (Consolida regalis)

Beete
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Vermehrungsbeete im LVR-Freilichtmuseum Kommern