Artenschutz mit der Landwirtschaft – rheinische Landwirte gehen mit gutem Beispiel voran

Ackerbauer Georg Grooten aus Aachen
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Ackerbauer Georg Grooten aus Aachen

(12.04.2010) Artenschutz mit der Landwirtschaft – rheinische Landwirte gehen mit gutem Beispiel voran. Sie haben bereits etwa 3 000 Feldlerchenfenster angelegt, und zahlreiche Lebensräume für Kiebitze geschaffen, etwa Flachgewässer für Kreuzkröten sowie Streuobstwiesen für den Steinkauz bereitgestellt. Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft koordiniert solche Natur- und Artenschutzmaßnahmen in enger Kooperation mit den Landwirten.

Für den damit verbundenen Ertragsausfall und Mehraufwand erhalten die Landwirte eine Vergütung. Damit auch die Bevölkerung erfährt, dass Landwirtschaft und Artenschutz gut zusammenpassen, machen Informationstafeln am Rand der Flächen auf die Leistungen der Betriebe für den Artenschutz aufmerksam. Mit diesen Aktionen tragen die Landwirte dazu bei, dass die Bestände der Arten bewahrt und weiterentwickelt werden, die auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere in Nordrhein-Westfalen stehen.

Der Platz an der Sonne im Kleingewässer

Theo Brauweiler schützt Kreuzkröten

Theo 
Brauweiler Fotos: Andrea Bahrenberg
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Theo Brauweiler
Fotos: Andrea Bahrenberg

„Es stört nicht bei der Bewirtschaftung“, erklärt Theo Brauweiler aus Sankt Augustin. Der Ackerbauer stellt eine rund 500 m2 große, feuchte Senke im Acker für Kreuzkröten zur Verfügung. „Ich umfahre die Stelle einfach bei der Bearbeitung des Ackers und spare Düngung und Pflanzenschutz aus." erklärt er zur Umsetzung der Artenschutzmaßnahme. Dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft Bonn - Rhein-Sieg ist es wichtig zu zeigen, dass der Erhalt der Artenvielfalt in und mit der Landwirtschaft funktioniert und dass er der Kreuzkröte mit dieser einfachen Maßname eine neue Heimat bieten kann.

Klein aber oho – das trifft auch auf die Kreuzkröte zu. Sie liebt offene Biotope mit sandigem, trockenem Untergrund. Mit einer Körperlänge von 4 bis 8 cm ist sie die kleinste einheimische „echte“ Krötenart. Das metallische „ärr…ärr…ärr“ ihres Paarungsrufes ist in windstillen Nächten noch bis zu 2 km weit zu hören. 250 Vorkommen gibt es noch in Nordrhein-Westfalen. Ihr bevorzugtes Laichgewässer sind sonnenexponierte Flach- und Kleingewässer wie Überschwemmungstümpel, Pfützen, Lachen oder Heideweiher. In Nordrhein-Westfalen gilt die Kreuzkröte, Bufo calamita, als „gefährdet“. Sie verliert ihren Lebensraum etwa durch Rekultivierung und Verfüllung von Kiesgruben oder bei Zerschneidung des Lebensraumes durch Straßenbau sowie durch Nutzung von Brachflächen.

Feucht und Grün muss es sein
Leo Gerick setzt sich für den Kiebitz ein

Leo Gerrick
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Leo Gerick

Neuen Lebensraum für Kiebitze schafft Leo Gerick, Betriebsleiter von Gut Vogelsang des Max-Planck-Instituts, in Köln-Widdersdorf. „Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft sprach mich an, als sie Flächen für den Kiebitz im Rahmen einer Kompenstionsmaßnahme suchte“, erzählt der Ackerbauer von den Anfängen des Projektes. Mit 4,5 ha setzt er sich nun für den Charaktervogel offener Grünlandgebiete ein. Dazu stellt er neben der angepassten Gestaltung der Fruchtfolge auf den Ackerflächen eine Grünlandbrache und mehrere Blühstreifen zur Verfügung. Auf der Brache brütet der Kiebitz, im Blühstreifen findet er Insekten als Nahrung für seine Küken. „Die Blühstreifen kommen auch bei den Anwohnern, die hier oft joggen oder mit dem Hund Gassi gehen, sehr gut an“, bringt er einen zusätzlichen Pluspunkt für das Projekt an.

Eigentlich bevorzugt der Kiebitz feuchte, extensiv genutzte Wiesen und Weiden. Seit einigen Jahren besiedelt er verstärkt auch Ackerland. Dort ist der Bruterfolg stark abhängig von der Bewirtschaftungsintensität und fällt oft sehr gering aus. Nach einem erheblichen Rückgang seit den 70er Jahren haben sich die Bestände mittlerweile stabilisiert. Der Gesamtbestand wird auf 20 000 bis 27 000 Brutpaare in Nordrhein-Westfalen geschätzt. Im Rheinland ist der Vogel vor allem in den Börden der Kölner Bucht sowie am Niederrhein verbreitet.

Eine Fehlstelle im Acker hilft bei der Landung

Friedhelm Decker legt Feldlerchenfenster an

Friedhelm Decker
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Friedhelm Decker


„Als naturverbundener Mensch liegen mir die Bewahrung der Kulturlandschaften und der Erhalt der Vielfalt in meiner Heimat am Herzen“, stellt Friedhelm Decker heraus. Der Ackerbauer geht als Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes und als Vorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mit gutem Beispiel voran und hat gleich 50 Lerchenfenster auf seinen Äckern im Raum Rommerskirchen angelegt.

Als ursprünglicher Steppenbewohner ist die Feldlerche eine Charakterart der offenen Feldflur. Sie besiedelt reich strukturiertes Ackerland, extensiv genutzte Grünländer und Brachen sowie größere Heidegebiete. Die Feldlerche steht auf der Roten Liste der bedrohten Vogelarten in Nordrhein-Westfalen. Seit den 70er-Jahren sind die Brutbestände durch intensive Flächennutzung der Landwirtschaft stark zurückgegangen und liegen aktuell bei etwa 116 000 Brutpaaren.

Indem Decker wie rund 90 weitere Landwirte im Rheinland ein Feldlerchenfenster – eine mindestens 20 m² große Lücke im Getreidebestand – anlegt, hilft er dem Bodenbrüter in die ansonsten meist zu dicht stehenden Getreidebestände einfliegen zu können – ein Landeplatz für den Charaktervogel der offenen Agrarlandschaft. In der Nähe der Lerchenfenster, inmitten des Getreidefeldes, legt der Vogel seine Nester an.

Eine Höhle inmitten der offenen Grünlandschaft
Georg Grooten macht sich für den Steinkauz stark

Ackerbauer Georg Grooten aus Aachen
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Ackerbauer Georg Grooten aus Aachen

Ackerbauer Georg Grooten aus Aachen schafft Lebensraum für Steinkauze, indem er eine Ackerfläche in eine extensive Weide umgewandelt und in einer Grünbrache die Bewirtschaftung wiederaufgenommen hat, da der Steinkauz kurzrasige Nahrungshabitate benötigt. „Mit dieser Maßnahme kann ich für ein positives Image der Landwirtschaft sorgen“, erklärt er seine Motivation. Zudem lohne es sich, denn der Flächenverlust für die Landwirtschaft könne mit solchen Programmen verringert werden.   

Mit zusätzlichen Obstbäumen bietet er dem Steinkauz eine Brutmöglichkeit. Denn die kleine Eule liebt offene und grünlandreiche Kulturlandschaften mit einem guten Höhlenangebot. Auf den extensiv genutzten Flächen findet der Bodenjäger ein ausreichendes Nahrungsangebot. Da der Steinkauz in Nordrhein-Westfalen einen mitteleuropäischen Verbreitungsschwerpunkt bildet, kommt dem Land laut dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium eine besondere Verantwortung für den Schutz der Art zu. Der Gesamtbestand wird auf 6 000 Brutpaare geschätzt.

(12.04.10) Pressemitteilung zur Tagung (45,36 KB)

Infoflyer zur Tagung  (479,21 KB)