Erfolgreiche Informations- und Austauschveranstaltung „Artenvielfalt und Pferdegesundheit: Chancen einer naturnahen Pferdehaltung“

(01.10.2026) Wie lassen sich Pferdehaltung, Tiergesundheit und der Erhalt der biologischen Vielfalt miteinander verbinden? Dieser Frage widmete sich am vergangenen Mittwoch eine Informations- und Austauschveranstaltung unserer Stiftung Rheinische Kulturlandschaft im Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) in Rheinbach. Rund 50 Pferdehaltende, Pferdebetriebe sowie Vertreter:innen von Vereinen, Verbänden und Behörden kamen zusammen, um sich über Möglichkeiten einer naturnahen Pferdehaltung zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Beleuchteten das Thema naturnahe Pferdehaltung aus naturschutzfachlicher, tiermedizinischer und rechtlicher Sicht (v.l.n.r.) Steffen Steenken, Geschäftsführer Biostation Rhein-Sieg-Kreis, Dr. med. vet. Beate Bertram, Tierarztpraxis Team Zülpich, RA Wolfgang Patzlaff, Rheinischer Landwirtschafts-Verband und Karina Schnitker, Projektleiterin Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

Unter dem Titel „Artenvielfalt und Pferdegesundheit – Chancen einer naturnahen Pferdehaltung“ standen sowohl fachliche Informationen als auch der praktische Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass eine vielfältig strukturierte und naturnahe Gestaltung von Pferdehaltungen nicht nur einen Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten kann, sondern auch unter dem Aspekt der Pferdegesundheit interessante Ansätze bietet.

Den fachlichen Einstieg bildete der Vortrag von Dr. med. vet. Beate Bertram vom Tierarztpraxis Team in Zülpich. Sie beleuchtete die Bedeutung der Artenvielfalt in der Pferdehaltung als einen Aspekt der Pferdegesundheit und plädierte aus ihrer tiermedizinischen Sicht für mehr Mut zu kräuter- und artenreichen Weiden. Zudem stellte sie heraus, dass eine natürliche Vielfalt im Umfeld des Pferdes, mit Hecken, Sträuchern, Bäumen, Kräutern und Gräsern zur artgerechten Fütterung der Tiere genutzt werden kann. Dies sei insbesondere im Hinblick auf Übergewicht und Wohlstandskrankheiten relevant, von denen ihrer Einschätzung nach 80 – 90 Prozent der Freizeitpferde betroffen sind. „Viele Pferde stehen auf überwiegend artenarmen Weideflächen, deren Zusammensetzung häufig auf Hochleistungstiere wie Milchkühe ausgelegt sind. Ein Umdenken und die Anpassung des Haltungsmanagements sind notwendig“, fasste die Veterinärin sowohl mit Blick auf die Pferdegesundheit als auch auf die biologische Vielfalt zusammen. (Vortrag)

Anschließend stellte Karina Schnitker, Projektleiterin unserer Stiftung, das LEADER geförderte Projekt „Pferdehaltung für mehr Artenvielfalt“ sowie erfolgreiche Beispiele aus der Praxis vor. Innerhalb des Projekts wurde so zum Beispiel eine pferdeverträgliche Regio-Saatgutmischung für zwei unterschiedliche Herkunftsregionen entwickelt, die robust gegenüber Beweidung ist und gleichzeitig mit ihren mehr als 10 unterschiedlichen Arten die Vielfalt auf der Fläche fördert. Entsprechend wurde bei der Auswahl der regionalen Pflanzen auf eine gute Tritt- und Fraßverträglichkeit geachtet und gleichzeitig Gräser sowie Kräuter mit positiven Effekten für die Pferdegesundheit ausgewählt. Die Erfahrungen aus dem Projekt und der weiteren Praxisbeispiele machten darüber hinaus deutlich, dass es nicht die eine Lösung für eine naturnahe Pferdehaltung gibt. Vielmehr können Maßnahmen entsprechend den jeweiligen Begebenheiten angepasst werden. „Artenvielfalt lässt sich in ganz unterschiedlichen Größenordnungen in die Pferdehaltung integrieren – von kleinen, punktuellen Maßnahmen wie Nisthilfen für Nützlinge bis hin zu großflächigen Veränderungen, beispielsweise im Weidemanagement, ist vieles möglich.“

So können Strukturen auf den Weideflächen aber auch rund um den Stall mithilfe von Hecken oder Sträuchern aufgewertet oder neu geschaffen werden. Die Pflanzungen, deren Ausgestaltungen von einer wilden Vogelschutzhecke bis zur akkurat geschnittenen Hainbuchenhecke reichen können, stellen dabei zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere dar. Während die Pferde von zusätzlichen Schattenspendern, Windschutz sowie Vögeln, die lästige Insekten vertilgen, profitieren können. Entscheidend bei der Umsetzung ist laut Schnitker, dass die Maßnahmen auf die jeweilige Pferdehaltung abgestimmt sind und gleichzeitig die Bedürfnisse der Pferde und den rechtlichen Rahmen im Blick bleiben. (Vortrag)

Wie artenreich Flächen durch eine naturnahe Pferdehaltung in der Praxis aussehen können, zeigte Steffen Steenken, Geschäftsführer der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis. Durch gezielte Maßnahmen zu denen eine Mahdrotation, späte Beweidung und geringe Pferdezahl zählen, konnten im Rhein-Sieg-Kreis Lebensräume für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling geschaffen werden. Die Beispiele machten dabei deutlich, dass die Beweidung mit Pferden gezielt zur Biodiversität beitragen kann, und so u. a. eine der artenreichsten Grünland-Flächen im Siegtal mit Vorkommen des Behaarten Kurzflüglers, eine Rote Liste Käferart entstehen konnte. Daher gilt laut Steenken: „Pferdebeweidung kann mehr sein als reine Flächennutzung – richtig gesteuert, kann sie die Artenvielfalt fördern.“ (Vortrag)

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den rechtlichen Rahmenbedingungen. Rechtsanwalt Wolfgang Patzlaff vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband e. V. informierte über die rechtlichen Grundlagen einer naturverträglichen Hobby-Pferdehaltung und gab den Teilnehmenden damit wichtige Orientierung für die praktische Umsetzung. Deutlich wurde dabei, dass Pferdegesundheit und Artenvielfalt sich in vielen Bereichen sehr gut kombinieren lassen, wobei Patzlaff zu dem Schluss kam: „Erst prüfen, dann bauen, einzäunen, befestigen, pflanzen oder einsäen!“ (Vortrag)

Bei der anschließenden Diskussion warb Patzlaff auch um Verständnis für die Anforderungen des Schutzes der freien Landschaft und die daraus resultierenden teils engen rechtlichen Rahmenbedingungen für Privathaltende. Beispielsweise sei es für Hobbypferdehalter nicht möglich, im Außenbereich eine Baugenehmigung zu erhalten; das sei nur mit landwirtschaftlicher Privilegierung möglich.


Die Veranstaltung wurde im Rahmen einer lokalen Entwicklungsstrategie nach LEADER (EL-0703) im Rahmen des Nationalen Strategieplans für Deutschland 2023–2027 (GAP-Strategieplan 2023–2027) unter Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Beispiel für eine umgesetzte Neupflanzung
Wildbienennisthilfe
Staudenbeet an Stallung