Neue Ausstellung „Stadt, Land, Garten | WILDE VIELFALT“

(18.06.2021) Warum finden sich bestimmte Pflanzenarten der Äcker und Dörfer nur noch in Freilichtmuseen? Aus welchen Gründen lohnt es sich, regionale Wildkräuter zu erhalten? Wie kann ich mich selbst für eine vielfältige Pflanzenwelt engagieren? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Garten- und Naturbegeisterte in der neuen Ausstellung „Stadt, Land, Garten | WILDE VIELFALT zwischen Küchengarten und Feldflur“ im LVR-Freilichtmuseum in Kommern.

Freuen sich über die neue Ausstellung (v.l.n.r.): Dr. Ute Herborg, Kuratorin der Ausstellung im LVR-Freilichtmuseum Kommern, Laura Fortmann, Projektleiterin Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Vanessa Sterner, Ökologische Volontärin im LVR-Freilichtmuseum Kommern, Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Christiane Overkamp, Geschäftsführerin Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, Dr. Josef Mangold, Leiter LVR-Freilichtmuseum Kommern, Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher, Vorstandsmitglied Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Anette Schrick, Kuratorin der Ausstellung „Stadt, Land, Garten“ des LVR-Industriemuseums Bergisch Gladbach.

Vom Bauerngarten zum Urban Gardening

Sobald sich nach dem kalten Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen zeigen, zieht es nicht nur unerschrockene Gartenfreunde wieder nach draußen. Das LVR-Freilichtmuseum Kommern startet daher nach der Wiedereröffnung mit einer thematisch passenden Ausstellung in der Scheune Sechtem (Baugruppe Eifel). Inhaltlich zieht sich ein „grüner“ Faden durch die Schau: Ausgehend von der Kulturgeschichte des bäuerlichen und vorindustriellen Nutzgartens spannt „Stadt, Land, Garten“ den Bogen bis zu neuen experimentellen Formen des Urban Gardening.

Faltblatt zur neuen Ausstellung

Wertvolle Wildkräuter in Feld und Dorf

Im zweiten Teil der Ausstellung, „WILDE VIELFALT im Museum“, weitet sich der Blick in die umgebende Kulturlandschaft auf die Welt der Wildkräuter und ihre Funktionen für Menschen, Tiere und den Naturhaushalt. Dieser Bereich stellt das 2020 begonnene gleichnamige Projekt unserer Stiftung Rheinische Kulturlandschaft als Projektträger mit dem LVR-Freilichtmuseum Kommern als Kooperationspartner vor.

Die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, die Deutsche Postcode Lotterie sowie der Förderverein Rheinisches Freilichtmuseum Kommern e.V. fördern das Projekt.

Blick in den Ausstellungsteil „WILDE VIELFALT im Museum“

Gartengeschichte(n) entdecken und erleben

„Stadt, Land Garten“ erzählt die Kulturgeschichte des Nutzgartens vom Klostergarten über ländliche Hausgärten und kleinstädtische Siedlungs- und Kleingartenanlagen bis zu heutigen Tendenzen des Gärtnerns in der Stadt – Stichworte: Urban Gardening, Guerilla Gardening, City Farming – anhand der jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die Gartenarbeit über die Jahrhunderte wird anhand von Objekten, Grafiken und Fotos veranschaulicht. Die subjektive Seite des Gärtnerns spielt dabei ebenfalls eine große Rolle: Sie geht den Motiven nach, die zu verschiedenen Zeiten hinter der Tätigkeit im Garten standen.

Wie Gärtner:innen heute ihr Tun zwischen Last und Lust erleben, schildern sie selbst in prägnanten Worten. Exponate wie historische Gartengeräte oder Ratgeberliteratur zeigen eine erstaunliche Kontinuität der Gartenarbeit.

Der Ausstellungsteil „Stadt, Land, Garten“ zeigt zahlreiche Exponate zur Kulturgeschichte des Nutzgartens.

Neuer alter Trend: Nutzpflanze statt Unkraut

Der Bereich WILDE VIELFALT im Museum richtet den Blick darauf, dass viele vermeintliche „Unkräuter“, die in Gärten, an Wegen und auf Feldern wachsen, wertvolle Nutzpflanzen sind. Was noch zu Großmutters Zeiten selbstverständlich war, wird nun wiederentdeckt:

Wildkraut-Produkte wie Löwenzahn-Limonade, Waschmittel mit Seifenkraut und Kleider aus Brennnesselstoff sind im Trend. Viele der wild wachsenden Pflanzenarten, die früher typisch für Äcker und Dörfer waren, sind heute jedoch gefährdet.

Das Projekt „WILDE VIELFALT im Museum“ hat zum Ziel, diese seltenen Arten zu erhalten und das Wissen hierüber weiterzutragen. Der Ausstellungsbereich gewährt einen vertiefenden Einblick in die Welt der Wildkräuter und lädt dazu ein, ihre vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten zu entdecken.

Getränke mit Wildkräutern liegen im Trend.

Aktiv werden!

Will man in der Natur etwas bewirken, heißt es: Ärmel hochkrempeln und loslegen! Das gilt für das Gärtnern im privaten oder öffentlichen Raum ebenso wie für die Erhaltung der naturräumlichen Vielfalt.

Hierzu ermutigt auch die Ausstellung große und kleine Museumsgäste. In der Scheune Sechtem werden Inhalte beim Puzzeln oder Kurbeln vermittelt. Hörstationen und Diaschauen ergänzen die Texttafeln.

Das Gartenjahr als begehbare Installation in der Ausstellung „Stadt, Land, Garten“

Im Außenbereich präsentieren verschiedene Initiativen, darunter unsere Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, der Waldkindergarten des Museums, die Katholische Grundschule Mechernich, die Stephanusschule Bürvenich sowie ehrenamtliche Gartenpatinnen ihre Pflanzkisten. Sie sind bestückt mit Blumen, Gemüse oder regionalem Wildpflanzen-Saatgut. So können die Besucher:innen das Wachsen und Gedeihen über die Saison bis zur Ernte verfolgen.

Für alle Museumsgäste gibt es auch das Angebot, sich an einer gemeinschaftlichen Pflanzkiste im Freien zu beteiligen, zu säen, jäten, gießen und ernten. Hacken, Schaufeln und Gießkanne stehen bereit! Eigene Handschuhe sollten mitgebracht werden; es stehen aber auch Einmalhandschuhe bereit.

Das LVR-Freilichtmuseum Kommern bietet öffentliche Führungen durch die Ausstellung, ein museumspädagogisches Begleitprogramm und Aktionstage im Rahmen von Museumsveranstaltungen an.

Alle diese Angebote können nur abhängig von den aktuellen Bedingungen und Vorschriften zur Corona-Pandemie durchgeführt werden. Daher bitten wir alle Interessent:innen, sich auf der Internetseite des Museums vorab zu informieren.

Weitere Informationen:
LVR-Freilichtmuseum Kommern
Projekt „WILDE VIELFALT im Museum“
Ausstellung „Stadt, Land, Garten | Wilde Vielfalt zwischen Küchengarten und Feldflur“

Stimmen zur Ausstellung

Christiane Overkamp, Geschäftsführerin der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen – Förderung des Projektes „WILDE VIELFALT im Museum“

„Viele heimische Wildpflanzen unserer Äcker und Dörfer besitzen einen enormen Wert für den Menschen und den gesamten Naturhaushalt. Dank der neuen Ausstellung „Stadt, Land, Garten | WILDE VIELFALT zwischen Küchengarten und Feldflur“ können wir diesen Wert nun für die Museumsgäste erlebbar machen und ein Umdenken fördern:

Weg vom lästigen „Unkraut“, hin zum kostbaren „Wildkraut“. Wer etwa die unzähligen Einsatzmöglichkeiten der Brennnessel oder die Schönheit eines Mohnackers kennengelernt hat, wird angeregt, auch der „Wildnis“ im eigenen Garten Raum zu geben. Dabei geht es nicht nur um Hausgärten, für die Artenvielfalt ist auch der Schutz von Wildkräutern in der Landwirtschaft bedeutsam. Deshalb ist es wichtig, dass die Ausstellung auch in diesem Bereich Impulse setzt und Anregungen gibt.

Genau diesen Gedanken des „Weitertragens“ von Wissen und Begeisterung für den Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft unterstützen wir als Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen mit unserer Förderung des Projektes „WILDE VIELFALT im Museum“.

Petra Rottmann, Head of Charities Deutsche Postcode Lotterie

„Als Soziallotterie, die sich für Mensch und Natur stark macht, spüren wir eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Artenreichtums. Eine gesunde und reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt ist die Basis für ein funktionierendes Ökosystem. Und ohne das können wir Menschen nicht überleben.

Wir von der Postcode Lotterie freuen uns daher sehr, dass wir dank unserer zahlreichen Teilnehmer*innen in Nordrhein-Westfalen das Projekt „Wilde Vielfalt im Museum“ der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und des LVR-Freilichtmuseums Kommern unterstützen können. Die Kombination aus Erhalt von seltenen Wildpflanzenarten im Freilichtmuseum, digitalen Informationsangeboten und begleitenden Umweltbildungsaktivitäten ist wunderbar wichtig.“

Professor em. Dr. Wolfgang Schumacher, Vorstandsmitglied Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

„Die neue Ausstellung zeigt, wie die Vielfalt heimischer Wildkräuter dauerhaft bewahrt werden kann – nämlich mit dem Konzept „Schutz durch Nutzung“. Denn diese Leitidee hat sich nicht nur in großen Dimensionen bewährt – etwa bei Naturschutzmaßnahmen zusammen mit der Landwirtschaft, sondern sie zeigt ihr Potential auch im Kleinen:

Sei es mit dem Anbau regionaler Wildpflanzen im eigenen Garten oder beim Kauf von Produkten aus heimischen Wildkräutern. In der neuen Ausstellung lassen sich zahlreiche Anregungen hierfür entdecken.

So kann jede und jeder Einzelne etwas zum Schutz der biologischen Vielfalt beitragen – und zwar, indem man diese verantwortungsvoll nutzt und auf diese Weise dabei hilft, ihren besonderen Wert deutlich zu machen. Denn nur was wertgeschätzt wird, wird auch langfristig erhalten werden.“

Mehrmals im Jahr können kleine und große Museumsgäste am Mitmachstand „Wilde Vielfalt im Museum“ bei den wissenschaftlichen Projektmitarbeiterinnen (v.l.n.r.: Carmen Lex, Claudia Kühne) viel Wissenswertes über unsere heimischen Wildkräuter erfahren.