Projektupdate: Ergebnisse des Insektenmonitorings im Projekt „Nutzhanfanbau als innovative Vogelschutzmaßnahme“
(24.04.2026) Im Juli 2025 wurden Gelbschalen als Fallen für Insekten auf den Projektflächen mit Nutzhanf und der Referenzkulturart in Köln und Xanten aufgestellt und die Funde mittels DNA-Analyse bestimmt. Die ersten Ergebnisse zeigen, inwiefern Nutzhanf einen Lebensraum und eine Nahrungsquelle für verschiedene Insektenarten bietet und ob dadurch gefährdete Arten gefördert werden können.

Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Erprobung einer neuartigen, produktionsintegrierten Naturschutzmaßnahme in der Agrarlandschaft. Die Untersuchung wurde in das Vogel-Projekt eingebaut, um festzustellen, wie attraktiv Hanf für Fluginsekten ist und ob dadurch wiederum die Attraktivität für nahrungssuchende Feldvögel gesteigert werden kann. Im Fokus der Untersuchung steht der Ölhanfanbau (Cannabis sativa) mit Ernteverzicht, der Feldvögeln, Zugvögeln sowie überwinternden Vogelarten in der intensiv genutzten Agrarlandschaft Nahrungs- und Rückzugsräume bieten soll.
Neben den Hanfsamen sind Insekten eine weitere wichtige Nahrungsquelle für viele Feldvögel. Daher wurde im Projekt ein Fluginsektenmonitoring durchgeführt, um erste Erkenntnisse über die Artenvielfalt an Fluginsekten zu erlangen, für die Nutzhanf einen Lebensraum beziehungsweise eine alternative Nahrungsquelle darstellt. Dafür wurden auf den Versuchsflächen in Köln und Xanten jeweils im Nutzhanf und in der Referenzkultur (Mais und Kleegras) Gelbschalen aufgestellt. Gelbschalen werden üblicherweise in der Landwirtschaft bei der Schädlingskontrolle von z. B. Rapsglanzkäfern im Raps verwendet. Der Fang mit Gelbschalen erfolgte in Absprache und mit Genehmigung der zuständigen Behörden.


Durch die Ergebnisse des Gelbschalen-Monitorings konnte die Vermutung bestätigt werden, dass Nutzhanf einen attraktiven Lebensraum und eine Nahrungsquelle für verschiedene Insekten bieten kann.
Insgesamt wurden 232 verschiedene Arten aus elf verschiedenen Ordnungen in beiden Hanfflächen bestimmt. 177 Arten wurden in Xanten und 116 in Köln dokumentiert, wobei 61 Arten in beiden Flächen vorkamen. Es zeigte sich, dass im Nutzhanf an beiden Standorten mehr Insektenarten als in den Referenzflächen vorkamen. Vor allem aus den Ordnungen der Schmetterlinge (Lepidoptera) und der Schnabelkerfe (Hemiptera), welche viele wichtige Bestäuber und Nützlinge umfassen, wurden mehr Arten in den Hanfflächen nachgewiesen und bestimmt. Besonders spannend ist darunter der Fund der Vierbindigen Furchenbiene (Halictus quadricinctus), die nur im Hanf vorkam und in NRW als vom Aussterben bedroht gilt. Die Art bevorzugt offene, eher trockene Böden aus Löss oder Lehm, ist bodennistend und nicht auf eine bestimmte Pflanzenart spezialisiert.
Außerdem wurden drei flugfähige Laufkäferarten (Amara plebeja, Harpalus grisaeus und Demetrias atricapillus), die moderate bis trockene Standorte bevorzugen, in den Gelbschalen der Hanfflächen nachgewiesen.
In dem diesjährigen Folgeprojekt wird der Nutzhanf als Zwischenfrucht im Juli ausgesät. Im vergangenen Versuch, in dem die Kultur als Hauptfrucht im Frühjahr ausgesät wurde, waren die Samen bereits im November ausgefallen oder vollkommen abgefressen.
Deshalb soll diesmal später ausgesät werden, um noch im späteren Verlauf des Winters Samen für Vögel bereitzustellen.
Neben der Erprobung der Naturschutzmaßnahme steht auch die Steigerung des Bekanntheitsgrades der bisher nischenhaft angebauten Nutzpflanze im Fokus.
Das Projekt wird dankenswerterweise durch die Bioland Stiftung und die Heinz Böker-Stiftung für Natur- und Tierschutz gefördert.



