Umweltbildung im Projekt Rheinland³ – Lebensraum, Landwirtschaft, Lernort

Veränderungen in der Agrarlandschaft haben in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten in ihren Beständen zurückgehen. Doch nicht nur der faktische Rückgang dieser Arten stellt unsere Gesellschaft vor Herausforderungen. Auch der Verlust von Artenkenntnissen und Wissen junger Menschen über die aktuelle Lebensmittelproduktion ist zu beobachten. Genau dort setzte das Projekt Rheinland³ an, indem es neuartige Naturschutzmaßnahmen-Kombinationen in der landwirtschaftlichen Praxis umsetzte und junge Menschen in Berührung mit ihrer natürlichen Umwelt gebracht hat.


Steigerung der Biodiversität in der Agrarlandschaft

Im Projekt wurde mit den sog. „trinären Kombinationen in der Agrarlandschaft“ (TriKAs) ein innovativer Forschungsansatz entwickelt, erprobt und evaluiert. Dieser modulare Ansatz kombiniert bewährte Naturschutzmaßnahmen (z. B. Blühstreifen und Beetle banks) und nutzt die Synergien zwischen den einzelnen Maßnahmen, um deren positive Effekte auf die Biodiversität zu verstärken.

Steigerung des Umweltbewusstseins

Um das Verständnis für ökologische Zusammenhänge und eine nachhaltige, die Artenvielfalt fördernde, Lebensmittelproduktion auch in der Gesellschaft zu stärken, wurde im Projekt aufbauend auf den TriKAs ein Umweltbildungsangebot für 6. und 7. Klassen weiterführender Schulen erarbeitet und umgesetzt. Das Angebot orientiert sich an den Richtlinien für Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Im Fokus stehen Kompetenzen im Bereich Artenkenntnisse, sowie Wissen über Landwirtschaft und regenerative Handlungsmöglichkeiten.

Kooperation mit Schulen

Die Umweltbildungseinheiten wurden in Kooperation mit drei weiterführenden Schulen erprobt und umgesetzt. Von 2021 bis 2024 konnten insgesamt 12 Klassen und über 200 Schüler:innen  mit dem Angebot erreicht werden.

Übergabe der nationalen Auszeichnung Bildung für nachhaltige Entwicklung (v.l.n.r.): Dr. Andrea Ruyter-Petznek, Referatsleiterin Bildung in Regionen im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Genevieve Hornby, Projektmitarbeiterin Rheinland³, Lisa Walter, Projektleiterin Rheinland³, und Dr. Roman Luckscheiter, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission.


Die erarbeiteten Umweltbildungsmaterialien können kostenfrei für nicht kommerzielle Zwecke genutzt werden. Sie stehen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen zur eigenständigen Umsetzung zur Verfügung.

In drei aufeinander aufbauenden Modulen werden Schüler:innen im Alter von 11 bis 13 Jahren auf spielerische Art und Weise an verschiedene Themen zu Naturschutz und Landwirtschaft herangeführt. Die Module können auch unabhängig voneinander umgesetzt und in den Unterricht oder andere Jugendarbeit integriert werden.


Zielgruppe: Kinder (11-13 Jahre), Sekundarstufe I (6. & 7. Klasse)

Fachliche Anbindung: Naturwissenschaften (v. a. Biologie)

Besonderheiten des Programms:

  • Praxisnahes Lernen
  • Förderung von Artenkenntnis, Umweltbewusstsein und nachhaltigem Handeln
  • Außerschulisches Lernen
  • Kennenlernen verschiedener Berufsfelder (Landwirtschaft, Biologie, Landschaftsökologie)

Materialien

Download:

Handreichungen:

  • Strukturelle Übersichtsdokumente für die jeweilige Module
  • Erläuterungen zu Ablauf & Methoden

Einführungsvorträge:

  • Als Präsentationen nutzbar
  • Vermittlung der theoretischen Inhalte
  • Inklusive Notizen mit fachlichen Hintergrundinformationen & Leitfragen für den Unterrichtsablauf

Druckdateien:

  • An die Schüler:innen auszuhändigende Materialien (z. B. Arbeitsblätter)
  • Detaillierte Anleitungen zu den Spielen

Bestellbar: Kostenfrei über unseren Shop. Alle bestellbaren Materialien sind auch in digitaler Form innerhalb der Download-Dokumente enthalten.

Versuchs-Journal: Für Beobachtungen im Rahmen des praktischen Blattlausversuches (Modul 1).

Blühflächen-Journal: Lern- und Arbeitsheft zum Aufbau und den Verbreitungsmechanismen von Pflanzen (Modul 2).

Bestimmungsschlüssel: Kindgerechter, dichotomer Bestimmungsschlüssel für die häufigsten Fluginsekten und Raubarthropoden unserer Agrarlandschaft (Modul 3).


Modul 1: Einführung in die Themen Landwirtschaft, Naturschutz und natürliche Schädlingsbekämpfung

Mithilfe theoretischer und praktischer Anteile lernen die Schüler:innen die Themen Landwirtschaft und Biodiversität kennen. Mithilfe eines Versuchs werden die Beziehungen zwischen Schädlingen und Nützlingen simuliert, wodurch die Schüler:innen ein Verständnis dafür entwickeln, welche ökologischen Zusammenhänge landwirtschaftliche Prozesse beeinflussen und warum Naturschutz in diesem Kontext wichtig ist. Das Modul besteht aus drei an unterschiedlichen Tagen stattfindenden Einheiten, die zwischen 60 und 170 Minuten lang sind.

Fokus: Landwirtschaft – Biodiversität – Ökosystemfunktion – Natürliche Schädlingsregulation – Experiment

Aktives Lernen durch die Umsetzung eines eigenen Blattlausversuchs.
Spielerisches Lernen  mithilfe des Zuordnungsspiels „Nützlinge vs. Schädlinge“.
Untersuchen verschiedener Schaderreger in der Landwirtschaft anhand von Anschauungsmaterial.

Modul 2: Blühfläche anlegen, Pflanzen studieren und Wildbienen kennenlernen

In den Fokus wird die Bestäubung als Ökosystemfunktion genommen. Die Schüler:innen lernen die Bedeutung von Blühflächen und damit verbunden die Bestäubung durch blütenbesuchende Insekten kennen. Sie beschäftigen sich mit den Samen von Pflanzen und ihren Verbreitungsmechanismen. Modul 2 besteht aus einer eintägigen Einheit, die sich aus drei Stationen mit spielerischen und praktischen Elementen zusammensetzt.

Fokus: Bestäubung – Ökosystemfunktion – Wildbienen – Blühfläche – Pflanzenbiologie

Selbstständiges Erarbeiten des Blütenaufbaus und Zuordnung von Samen zu den dazugehörigen Pflanzenarten mithilfe des Blühflächen-Journals.
Aktives Auseinandersetzen mit den Lebensraumansprüchen von Wildbienen bei der Suche nach geeignetem Nistmaterial.
Praktischer Naturschutz durch die gemeinsame Anlage eines Blühstreifens mit regio-zertifiziertem Saatgut.

Modul 3: Tierarten der Agrarlandschaft kennenlernen – Bestimmungsübungen an einer Blühfläche

Bereits erworbene Kenntnisse über die Bedeutung von Biodiversität in der Agrarlandschaft werden mithilfe von Bestimmungsübungen im Feld erweitert und gefestigt. Die Schüler:innen lernen bei einer halbtägigen Exkursion zu einer Blühfläche an drei Stationen typische Tiere der Offenlandschaft kennen: Feldvögel, Fluginsekten, Raubarthropoden. Dabei nutzen sie gängige Erfassungsmethoden und erhalten einen Einblick in die Taxonomie der drei Tierartengruppen.

Fokus: Artenkenntnisse – Bestimmungsmethoden – Fluginsekten – Feldvögel – Raubarthropoden

Selbstständiges Erforschen von verschiedenen Fluginsekten in ihrem natürlichen Lebensraum durch Fangen und anschließende Bestimmung.
Sensibilisierung für Insektenvielfalt und Biodiversität durch die Bestimmung zuvor selbst gefangener Tiere mithilfe eines kindgerechten Bestimmungsschlüssels.
Beobachtung und Bestimmung von Feldvögeln rund um die Naturschutzmaßnahmen eines landwirtschaftlichen Betriebs.

Werden die Ergebnisse auf dem schulischen Instagram-Account gezeigt, um auch andere zum verantwortungsbewussten und informierten Handeln anzuregen? Dann markiert uns (@rheinische.naturschutzstiftung) gern!

Wurde bei den Schüler:innen das Interesse an einer Artengruppe oder dem Thema Landwirtschaft geweckt, sind im Folgenden Anlaufstellen aufgelistet, die Bildungsformate anbieten oder vermitteln.

Artenkenntnisse & Biodiversität:

  • Naturschutzverbände oder -stiftungen: z. B. NABU, Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz
  • Biologische bzw. ökologische Stationen
  • Öffentliche Einrichtungen, z. B. NUA NRW
  • Auflistung digitaler Angebote, u.a. zum Thema Artenkenntnisse vom Bundesamt für Naturschutz hier.
  • Auflistung von Weiterbildungsangeboten (z. B. Kennart, „Das Heupferdchen“) durch das Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität hier.

Landwirtschaft:

  • Betriebe mit speziellen Umweltbildungsangeboten
  • Tage der offenen Tür bei landwirtschaftlichen Betrieben

Die Materialien, veröffentlicht durch die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, sind – soweit nicht anders angegeben – lizenziert unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 International.

Das Projekt „Rheinland³ Lebensraum – Landwirtschaft – Lernort“ wurde von 2019-2025 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Diese Bildungsmaterialien geben die Auffassung und Meinung des Zuwendungsempfängers des Bundesprogramms Biologische Vielfalt wieder und müssen nicht mit der Auffassung des Zuwendungsgebers übereinstimmen.

Stand 19.12.2025


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