Niederkasseler Landwirte ackern für Rebhuhn und Feldhase

(30.06.2017) Für Heinrich Bulich und seine Tochter Birgit ist eines klar: „Gefährdete Wildtiere wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldhase sollen auch weiterhin auf unseren Äckern eine Heimat finden“. Seit 2016 beteiligen sich die Niederkasseler Landwirte an dem Projekt „Naturschutzberatung im Rhein-Sieg-Kreis“ der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Kern des Projektes ist eine Beratung interessierter Landwirte zu verschiedenen Naturschutzthemen. Dazu zählen die Erhöhung des Strukturreichtums, die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und von Deckungsmöglichkeiten in der Landschaft. Aber auch die optimale Wahl des Bewirtschaftungszeitpunktes und die sinnvolle Nutzung von Fördermöglichkeiten sind Bestandteile der umfangreichen Beratungen.
Pressetermin Naturschutzberatung im Rhein-Sieg-Kreis

Setzen sich für den Schutz von Feldhase und Rebhuhn in Niederkassel ein (v.l.n.r.): Dr. Norbert Möhlenbruch, Kreisjagdberater des Rhein-Sieg-Kreises, Dr. Claudia Stommel, Projektleiterin Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Elisabeth Trimborn, Vorsitzende Kreisjägerschaft Rhein-Sieg, Heinrich und Birgit Bulich, Landwirte aus Niederkassel

Gemeinsam mit vier weiteren Niederkasseler Landwirten legte Familie Bulich auf insgesamt 2,5 ha Blühflächen mit heimischen Wildpflanzen aus Regio-Saatgut an. Diese mehrjährigen Einsaaten verbleiben für drei Jahre auf dem Acker. Ihr Blütenreichtum wird durch eine einmalige Mahd im zeitigen Frühjahr erhalten, womit eine weitere Pflege in der Regel nicht notwendig ist. Auf diese Weise bieten die Blühflächen über das ganze Jahr Nahrung und Deckung für zahlreiche Tiere der offenen Feldflur – von Insekten über Feldvögel wie Rebhuhn, Wachtel und Kiebitz bis hin zu Feldhasen.

Damit war das Engagement der Niederkasseler Landwirte nicht beendet, denn zusätzlich säten die Teilnehmer des Naturschutz-Projektes pro Jahr auf ca. 20 ha Ackerland die Zwischenfrucht-Mischung „Summendes Rheinland“ ein. Diese wurde von der Stiftung im gleichnamigen Projekt speziell zu Naturschutzzwecken entwickelt. Die Mischung ist sehr vielfältig und blühfreudig, wenn sie rechtzeitig eingesät wird.

Auch einjährige Blühmischungen, die allerdings aus Kulturpflanzen zusammengesetzt sind, kommen in Niederkassel zum Einsatz. Diese sind durch ihre kurze Standzeit besonders flexibel in die Flächenplanung der Landwirte integrierbar. Ihre Lage wird möglichst so gewählt, dass sie die Maßnahmen untereinander sowie mit weiteren Lebensräumen für Offenlandarten, z.B. Feldgehölzen, verbinden. In diesen geschützten „Korridoren“ können Tiere leichter von einem Lebensraum in den anderen wechseln.

Zusätzlich bieten insgesamt 60 Lerchenfenster, bewusst im Getreide angelegte Lücken, Brut- und Nahrungshabitate für die Feldlerche. Die Fenster erleichtern den Feldlerchen den Zuflug in die Pflanzenbestände, in denen die Nester auf dem Boden angelegt werden. Auch andere Arten der offenen Feldflur wie Rebhuhn oder Feldhase können von den Lerchenfenstern profitieren.

Bläuling auf Kornblume

Bläuling auf Kornblume in Niederkassel

Gefördert wird das Projekt „Naturschutzberatung im Rhein-Sieg-Kreis“ vom Rhein-Sieg-Kreis, der Wildtier- und Biotopschutz-Stiftung NRW, der Kreissparkassenstiftung für den Rhein-Sieg-Kreis, der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg, Feldsaaten Freudenberger und dem Rheinischen Verband der Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften. Ansprechpartnerin für das Projekt ist Dr. Claudia Stommel (0 22 8 – 90 90 72-10, c.stommel@rheinische-kulturlandschaft.de).