Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen – AgroBioNet

Das Murnau-Werdenfelser Rind ist eine der ältesten Rinderrassen der Welt und die einzige autochthone Rinderrasse Bayerns, von der sich bis heute noch ein kleiner, reinrassiger Bestand erhalten konnte1.

Ziel des Projektes „Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen – AgroBioNet“ ist es, bundesweit Praxisbeispiele zu identifizieren und zu analysieren, denen es erfolgreich gelingt, den Erhalt alter heimischer Nutztierrassen oder Nutzpflanzensorten mit regionaler Wertschöpfung zu verbinden.

Hintergrund

Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt2 (Convention on Biological Diversity), welches 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro beschlossen und inzwischen von 196 Vertragsparteien unterzeichnet und auch ratifiziert worden ist, definiert „biologische Vielfalt“ als die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören. „Biologische Vielfalt“ umfasst demnach:

  1. Die Vielfalt innerhalb der Arten
  2. Die Vielfalt zwischen den Arten und
  3. Die Vielfalt der Ökosysteme

Die genetische Vielfalt innerhalb der Arten bildet somit einen wesentlichen Bestandteil der biologischen Vielfalt.  

Diese Form der Vielfalt ist vielerorts jedoch stark gefährdet. In Deutschland ist eine Vielzahl von heimischen Tierrassen und historischen Nutzpflanzensorten bedroht: So waren laut der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)3 im Jahr 2017 von 77 einheimischen Nutztierrassen 54 Rassen gefährdet. Zu den gefährdeten Rassen gehören z. B. das Murnau-Werdenfelser Rind sowie das Bunte Bentheimer Schwein. Auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen der BLE stehen insgesamt 2.606 Arten und Sorten, z. B. die Kirschsorte „Perle von Filsen“ oder die Apfelsorte „Rote Sternrenette“.

Der Erhalt alter, gefährdeter Nutztierrassen und Nutzpflanzensorten durch ihre Nutzung leistet damit einen bedeutsamen Beitrag zur Bewahrung der biologischen Vielfalt. Zudem weisen alte Nutzpflanzensorten und Nutztierrassen ein großes Potenzial zur regionalen Wertschöpfung auf, da sie häufig in ihrer Herkunftsregion traditionell verwurzelt sind und besondere Merkmale in Hinblick auf Geschmack, Aussehen oder Erzeugung aufweisen. So können sie auch dazu beitragen, die Identität in ländlichen Gebieten zu fördern und deren Imagebildung zu unterstützen.

 

Umsetzung

Deutschlandweit werden insgesamt etwa 20 Praxisbeispiele aus den Produktgruppen Getreide (Brot und Bier), Fleisch, Obst und Gemüse sowie Wein ausgewählt, die ökonomisch erfolgreich regional heimische, alte Nutztierassen oder Nutzpflanzensorten vermarkten.

Auf alten Streuobstwiesen wachsen häufig regionaltypische Obstsorten, die aufgrund ihrer geringen Verbreitung selten und besonders erhaltenswert sind.

Unter den ausgewählten Beispielen können sich landwirtschaftliche Betriebe oder auch verarbeitende oder vermarktende Unternehmen befinden, die Strategien entwickelt haben, um Produkte von alten Sorten und Rassen erfolgreich am Markt zu platzieren. Diese Beispiele werden in Hinblick auf die Bereiche Produkte und Prozesse, Regionale Identität, Vernetzung und Kooperationen, Kommunikation und Marketing sowie externe Faktoren wie z. B. Förderprogramme oder Restriktionen analysiert. Aus diesen Ergebnissen werden die zugrunde liegenden Erfolgsfaktoren abgeleitet und Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung zusammengestellt, wie die Wertschöpfung mit alten Sorten und Rassen unterstützt werden kann.

In der nun vorliegenden Abschlussbroschüre „Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen“ werden die Praxisbeispiele, Erfolgsfaktoren und Empfehlungen vorgestellt.


Träger

Kooperationspartner

Durchführungspartner

 
 

Förderung

Das Projekt „Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen – AgroBioNet“ wird im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

 


 

Ansprechpartner für die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft ist Amelie Hassels,
Fon 0228 – 90 90 72 34, E-Mail: a.hassels@rheinische-kulturlandschaft.de

 

Titelbild: Zehm, Andreas / piclease

 


Bibliographische Angaben:

1 Gefährdete Rinderrassen, GEH, 2016 – http://www.g-e-h.de/geh-rind/murnau.pdf

2 United Nations, 1992. Convention on Biological Diversity.
URL: https://www.cbd.int/doc/legal/cbd-en.pdf

3 Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), 2019. Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2019.
URL: https://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/DE/Landwirtschaft/Biologische-Vielfalt/RoteListe.pdf;jsessionid=71E1D6C7E81F0EF51F91C3AD6ECAEE40.2_cid335?__blob=publicationFile&v=6