Ackerwildkrautprojekt „Unkraut vergeht nicht – stimmt nicht!“

Kornrade

Das rheinische Modellprojekt zum Schutz bedrohter Ackerwildkräuter begann im Frühjahr 2010.  Mit finanzieller Unterstützung der Bayer CropScience Deutschland GmbH wurden seltene Ackerwildkräuter  naturraumspezifisch gesammelt, vermehrt und auf geeigneten Äckern in der Region ausgebracht, auf denen sie ursprünglich vorkamen. 

Schrittweise wurde das rheinische Konzept seit 2015 auf vier weitere Bundesländer übertragen. Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft koordinierte dieses bundesweite Projekt, die Umsetzung vor Ort übernahmen fachkundige regionale Partner. Unterstützt wurde das Projekt von Bayer.

 

Das Rheinische Ackerwildkrautprojekt wurde im April 2013 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Drei Jahre später wurde das bundesweite Projekt als Weiterentwicklung des ursprünglichen rheinischen Modellprojektes ausgezeichnet.

Im Jahr 2019 wurde das bundesweite Projekt erneut als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet.

UN-Dekade-Auszeichnung_2019

Aktuelle Meldungen zum Ackerwildkrautprojekt:

Niederrheinische Bucht: Gute Aussichten: Wildkrautacker in Swisttal (29.10.2019)

Brandenburg: Im Hasengang für Brandenburgs Ackerwildkräuter (13.08.2019)

Niederrhein: Ökolandbau-Fachschüler aktiv für Ackerwildkraut-Raritäten (26.06.2019)

Bergisches Land: Schaugarten mit bergischen Ackerwildkräutern eröffnet (19.06.2019)

 

Warum Ackerwildkräuter schützen?

Allein im Rheinland stehen derzeit über 75 Pflanzenarten der Äcker auf der Roten Liste der Pflanzen NRWs. Deutschlandweit gilt dies bereits für mehr als 90 Arten und somit für mehr als ein Viertel aller hier vorkommenden Ackerwildkräuter.

Im Mittelpunkt der Ackerwildkrautprojekte unserer Stiftung steht die Bewahrung der biologischen Vielfalt dieser seltenen, zumeist sehr konkurrenzschwachen Arten innerhalb ihrer Vorkommensgebiete. Hiervon profitiert zugleich die Fauna der Feldflur, da ein vielfältiges Ackerwildkrautspektrum zahlreichen Tierarten wie Insekten, Spinnen und Feldvögeln als Nahrungs-, Paarungs-, Brut- und Rückzugshabitat dient.

Artenreiche Ackerwildkrautgesellschaften können zudem u.a. zur Stickstoff-Fixierung, dem Schutz vor Erosion und der Verminderung von Schaderregern beitragen. So können sie eine wichtige Rolle in Agrarökosystemen einnehmen. Ebenfalls zu nennen ist die Bereicherung des Landschaftsbildes, die von farbenfrohen Wildkrautbeständen ausgeht. Zahlreiche Ackerwildkräuter bergen zudem Potentiale für künftige, noch unentdeckte Nutzungen, die es zu bewahren gilt.

 

Vorgehensweise: 3 Schritte zur Förderung von Ackerwildkräutern

1. Saatgut wird naturraumspezifisch und naturverträglich gesammelt
Vermehrung von Ackerwildkräutern
2. …anschließend in Beeten zur Vermehrung artenrein ausgesät
Ernte von Ackerwildkräutern
3. …und geerntet. Danach wird das Saatgut in der Region auf geeigneten, extensiv bewirtschafteten Äckern ausgebracht (In-Situ-Erhaltung) oder zur Ex-Situ-Erhaltung in einer Saatgutbank eingelagert.

Rheinisches Ackerwildkrautprojekt

Bundesweites Ackerwildkrautprojekt

Ackerwildkrautflyer

Samen von Ackerwildkräutern wurden getrennt in den verschiedenen Naturräumen  des Rheinlandes gesammelt.

Naturraum I: Niederrheinisches Tiefland
Naturraum II: Niederrheinische Bucht
Naturraum V: Eifel (mit Siebengebirge)
Naturraum VIa: Bergisches Land

Das gesammelte Saatgut wurde naturraumspezifisch vermehrt.

Eine anschließende Wieder-Aussaat der geernteten Samen kann auf Getreideäckern im Naturraum erfolgen, die in Folge langjähriger intensiver Bewirtschaftung nur noch über geringe Samenvorräte im Boden verfügen.

Ausgehend vom Rheinland (Nordrhein-Westfalen) wurde das Projektkonzept von „Unkraut vergeht nicht – stimmt nicht“ auf vier weitere Bundesländer Deutschlands übertragen.

Sachkundige regionale Partner setzen sich dort im Rahmen des Projektes für den Ackerwildkrautschutz ein.

Regionale Partner konnten bereits in folgenden Bundesländern gewonnen werden:

 

Bayern

In Bayern unterstützt die Bayerische KulturLandStiftung das Projekt als Umsetzungspartner. Der rheinische Projektansatz wird in Zusammenarbeit mit der TU München im eigenständigen Projekt „Ackerwildkräuter für Bayerns Kulturlandschaft“ weitergeführt.

Projektgebiet sind fünf Naturräume Bayerns mit sandigen, kalkhaltigen und wechselfeuchten Böden. Die Vermehrung der Ackerwildkräuter wird in Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben, Vereinen und Botanischen Gärten durchgeführt.

Pressemeldungen zur Vermehrungsfläche im Freiluftsupermarkt München-Freiham (30.06.2017) und zur Wiederansiedlung auf einem Extensivacker in Franken (23.07.2018).

 
Sinnberg-Garten mit Vermehrungsbeeten für Ackerwildkräuter (Foto: Stiftung Bayerische Kulturlandschaft)

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz setzt sich als regionaler Partner im Rahmen des Projektes „Unkraut vergeht nicht – stimmt nicht!“ Dr. Sven Wehke (WEHKE – Naturschutz und Landwirtschaft) für den Ackerwildkrautschutz ein.

Ein Vermehrungsstandort für Rheinland-Pfalz befindet sich im Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz.

Beim Bauerntag im September 2016 wurde auch das Ackerwildkraut-Projekt den Besuchern vorgestellt.
Video zum Bauerntag 2016

Im Juli 2017 berichtete Dr. Sven Wehke der Zeitung „Trierer Volksfreund“ vor Ort über das Projekt. Hierbei entstand auch ein Video für „Volksfreund TV“.

Venus-Fauenspiegel (Legousia speculum veneris) (Foto: Pascal Manthey)

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist seit 2017 die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt im Rahmen des bundesweiten Projektes für den Ackerwildkrautschutz aktiv.

Projektgebiete sind die Magdeburger Börde und die Kalkscherbenäcker der Saale-Unstrut-Region.

Vermehrungspartner ist die Firma Saale-Saaten mit Sitz in Halle, die bereits langjährige Erfahrung in der professionellen Vermehrung von regionalen Wildpflanzen aufweist.

Pressemeldung (06.07.2017) zum Projektstart in Sachsen-Anhalt

Pressemeldung (29.10.2018) zur Vermehrung in Sachsen-Anhalt

Jens Birger - Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt Sammlung Ackerwildkraut Schwarzerde
Sammelgebiet von seltenen Ackerwildkräutern in Sachsen-Anhalt auf Schwarzerde-Böden (Foto: Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt)

Brandenburg

In Brandenburg engagiert sich seit 2018 Frank Rumpe vom Biohof Kepos in Altglobsow als Regionaler Partner. Fachliche Unterstützung erhält er von der Verwaltung des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land, in dem er Flächen ökologisch bewirtschaftet.

Pressemeldung (10.08.2018) zum Projektstart in Brandenburg

Weitere Informationen des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land:

Ackerwildkräuter wiederentdecken (16.07.2018)

Seltene Ackerwildkraut-Arten wiederbelebt (18.08.2018)

Zwei weitere Schritte zur Vielfalt (19.11.2018)

Eine Zielart in Brandenburg ist der Lämmersalat (Foto: Silke Oldorff)

Aktivitäten im Rheinland

Auch nach Ende des rheinischen Projektes im Jahr 2014 wurde die Wiederansiedlung gefährdeter Ackerwildkräuter in den vier o. g. Naturräumen fortgeführt. Unsere Stiftung besitzt mehrere Hektar eigene und gesicherte Ackerflächen, welche im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen langfristig extensiv bewirtschaftet werden und die nach Prüfung des noch vorhandenen Samenpotentials im Boden ggf. für eine Ausbringung von Ackerwildkräutern in Abstimmung mit den Unteren Naturschutzbehörden in Frage kommen.

Für den langfristigen großflächigen Erhalt seltener Ackerwildkräuter stellen die produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen eine große Chance dar, da über diese Projekte extensive Bewirtschaftungsformen großflächig ermöglicht und deren ordnungsgemäße Betreuung und Umsetzung durch Landwirte dauerhaft finanziert werden.

Acker-Rittersporn Consolida regalis - Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
Acker-Rittersporn Consolida regalis – Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

Weiterführende Informationen:

Fachartikel zum Rheinischen Ackerwildkrautprojekt (Natur und Landschaft 5/2

Anleitung für das Sammeln von Ackerwildkräutern

Leitfaden Kultivierung Ackerwildkräuter