Naturschutzberatung für Kartoffelerzeuger

Deutsche Kartoffelerzeuger werden seit 2016 im Auftrag der REWE Group bei der Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen beraten. Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft übernimmt innerhalb des Projektes die Beratung der Landwirte im Rheinland sowie die Koordination mit weiteren Kulturlandschaftsstiftungen und Partnern.

Seit 2010 hat sich die REWE Group, neben vielen weiteren Nachhaltigkeitsaktivitäten, den Erhalt der Artenvielfalt auf die Fahne geschrieben und fördert innerhalb eines Biodiversitätsprojekts Maßnahmen, die sich positiv auf Lebewesen in der Agrarlandschaft auswirken.

In einem im Jahr 2016 gestarteten zweijährigen Pilotprojekt, wurde der Grundstein für das jetzige Kartoffel-Projekt gelegt. In der Pilotphase wurden bereits 31 Betriebe in den Kartoffel-Hauptanbauregionen Deutschlands beraten und vielfältige Maßnahmen umgesetzt. Das Projekt wurde zusätzlich auf Zwiebelbetriebe ausgeweitet. Aktuell sind es mittlerweile über 70 teilnehmende Kartoffel- und Zwiebelbetriebe.

Die am Projekt teilnehmenden Erzeuger, setzen sich aktiv für den Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt auf ihren Anbau- und Betriebsflächen ein.

Offene Rohbodenstellen oder Lössabbruchkanten bieten bodennistenden Insekten wertvollen Lebensraum.

Einzelbetriebliche Beratungen

In einem gemeinsamen Dialog und mit Beratung durch unsere Stiftung Rheinische Kulturlandschaft sowie vier weitere regionale Kulturlandschaftsstiftungen (Bayerische KulturLandStiftungStiftung Kulturlandpflege NiedersachsenStiftung Kulturlandschaft Rheinland-PfalzStiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt), schaffen Kartoffel- und Zwiebelerzeuger deutschlandweit Lebensräume für Niederwild, Vögel, Fledermäuse, Wildbienen und Insekten.

Unter Anleitung der Stiftungen säen die teilnehmenden Landwirte blühende Wiesen und artenreiche Ackerblühstreifen ein, pflanzen blütenreiche Hecken aus heimischen Gehölzen und stellen Nisthilfen für Wildbienen und Vögel auf.

Wildbienennisthilfen, sog. Bestäuber-Gabionen, werden in der Nähe zu Feldrändern aufgestellt.

Unterstützt durch die Firmen Hans-Willi Böhmer Verpackung und Vertrieb GmbH & Co. KG, Rainer Bausch GmbH und Lünekartoffel-Vertrieb GmbH & Co. KG erarbeiten Landwirte und Vertreter der fünf regionalen Kulturlandschaftsstiftungen Maßnahmen, um die Artenvielfalt im Kartoffelanbau und den angrenzenden Flächen zu fördern.

Neu geschaffene Strukturen wie Totholzhaufen bieten Kleintieren Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten.

Zahlreiche Naturschutzmaßnahmen sind möglich

Dabei werden den teilnehmenden Landwirten z. B. künstliche Nistmöglichkeiten für Vögel, Fledermäuse und Insekten kostenfrei zur Verfügung gestellt. Um ebenfalls Nahrungshabitate für diese Arten zu schaffen, werden Feldrandstreifen mit Regio-Saatgut oder mit blühenden Kulturpflanzenmischungen angelegt.

Auch artenreiche und eigens auf den Kartoffelanbau abgestimmte Zwischenfrüchte werden auf dem Acker angelegt. Diese lassen sich gut in die Betriebsabläufe integrieren und bieten besonders im späten Herbst und über den gesamten Winter Deckungs- und Nahrungshabitat für viele Kleintiere wie z.B. Rebhuhn, Feldhase und auch Bestäuber.

Ergänzt wird der Maßnahmenkatalog durch das Anlegen von Kleinstrukturen. So werden ungenutzte Böschungen, Totholz- und Steinhaufen sowie Fassadenbegrünungen und Staudenbeete naturschutzfachlich fundiert angelegt und gepflegt.

Seit Beginn des Projekts sind ca. 730 Hochstammbäume und 11.700 m² heimische Hecken und Gehölze gepflanzt worden. Des Weiteren wurden über 50 ha ein- und mehrjährige Blühstreifen und 120 ha Zwischenfrüchte (im Jahr 2024) angelegt sowie rund 15 ha Fläche stillgelegt. Zur Unterstützung der Brut von Vögeln und Fledermäusen wurden rund 460 Nisthilfen an Gebäuden, Scheunen und Bäumen angebracht. Auch für verschiedenste Bestäuber wurden rund 300 Insektennisthilfen aufgebaut. Zusätzlich sind viele weitere individuelle Maßnahmen wie Böschungsbegrünungen oder Staudenbeete angelegt worden.

Alte Hochstämme und Streuobstwiesen werden innerhalb des Projektes erhalten, da sie im Vergleich zu Neuanpflanzungen bereits jetzt schon einen großen Nutzen für die Biologische Vielfalt aufweisen.

Bestehende Maßnahmen finden Anerkennung

Ein weiteres Anliegen der Kulturlandschaftsstiftungen ist der Erhalt von bestehenden Strukturen, wie zum Beispiel alte Obstbäume und Kopfweiden, die sich besonders als Insektenhabitate eignen.

Der Erhalt von vorhandenen Strukturen (z.B. Streuobstwiesen) ist aus naturschutzfachlicher Sicht sehr wertvoll, da diese im Vergleich zu jungen oder neu angelegten Strukturen meist eine deutlich höhere biologische Vielfalt aufweisen. Um bestehende Strukturen vor dem Verfall oder der Entfernung zu bewahren, werden auch diese Maßnahmen durch eine naturschutzfachliche Pflege im Projekt gefördert.

Deutschlandweites Verbundprojekt

Aktuell werden Landwirte in insgesamt neun Bundesländern durch zehn regionale Stiftungen beraten. Neben der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die in Nordrhein-Westfalen in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf tätig ist, beraten folgende weitere Partner: