L6 Rebgassen mit Artenvielfalt

Blühende Saumstrukturen in Rebgassen, schlecht zu bewirtschaftenden Rest- und Zwickelflächen

Ziele und Wirkung

  • Schaffung von Nahrungs-, Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten insb. für Insekten
  • Vernetzung von Lebensräumen
  • Förderung von Nützlingen (Raubmilben, Schwebfliegen, Laufkäfer Schlupfwespen)
  • Steigerung der floristischen Artenvielfalt
  • Begrünung des Bodens vermindert Erosion, Auswaschung und Verdichtung und verbessert die Nährstoffversorgung der Weinreben

Geeignete Standorte

  • Rebgassen, Rest- und Zwickelflächen, Vorgewende und Rebzeilenanfänge
  • Dort, wo Reste wilder Weinbergsflora (z. B. Hackflora) vorhanden sind
  • Auch sehr flachgründige, trockene Standorte

Umsetzung/ Durchführung

Anlage:

  • Bei vorhandener Weinbergsflora auf Einsaat verzichten
  • Wenn keine typische Weinbergsflora vorhanden, vielfältige regionale ein- oder mehrjährige Saatgutmischung mit hohem Leguminosenanteil (z. B. Saat-Luzerne, Gemeiner Hornklee, Saat-Esparsette) einsäen
  • Bei Wildpflanzenmischungen Regiosaatgut verwenden
  • Die richtige Mischung richtet sich u. a. nach dem Gefälle, der Bodenart und der Begrünungsmaßnahme im Vorjahr
    • Mittelstreifen: Hochwuchsmischungen (1,0–1,5 m Höhe)
    • Fahrspur/Unterbewuchs Rebe: Niederwuchsmischungen (0,2–0,3 m Höhe)
  • Bei sehr flachgründigen, trockenen Standorten Zwischenbegrünung in jeder 20. Zeile sinnvoll; ansonsten in jeder 2. Zeile

Pflege:

  • Bei vorhandener Hackflora:
    • Während der Vegetationsperiode der Hackflora (Oktober bis Mai) keine Bodenbearbeitung, kein Herbizideinsatz, nicht Mähen/Mulchen/Beweiden
    • Alle 1–4 Jahre und frühestens ab Mitte Mai 5–20 cm tief und grob hacken (Schollengröße 8–15 cm)
    • Regelmäßiges Hacken alle 1–2 Jahre fördert Ausbreitung der weinbergstypischen Hackflora
    • Alternierendes Mähen in jeder zweiten Fahrgasse ab Juni
  • Bei Wildpflanzeneinsaat:
    • Mäh- und Mulchdurchgänge reduzieren, ggf. alternativ Walze einsetzen (Rolojack, Güttler-Walze); durch Walzen werden die Pflanzen nur abgeknickt und an den Boden gedrückt, wodurch das Blütenangebot ggf. länger erhalten bleibt als bei einer Mahd
    • Alternierendes Mähen in jeder zweiten Fahrgasse ab Juni verhindert dominanten Grasaufwuchs
  • Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (insbesondere Insektizide, Herbizide) auf den Blühstrukturen

Standzeit:

  • Je nach Maßnahme ein- bis mehrjährig. Langfristige Maßnahmen sind aus naturschutzfachlicher Sicht anzustreben.

Weitere strukturfördernde Maßnahmen im Weinbau:

  • Blühstrukturen auf Vorgewende und Zwickelflächen
  • Pflanzungen von Stauden oder Blühsträuchern wie Rosen am Rebzeilenanfang
  • Weinbergsbrachen/offene Bodenstellen schaffen

Tipp: Das Walzen der blühenden Rebgassen in Trockenphasen hat den Vorteil, dass das Wachstum der Blühmischungen eingeschränkt und die Wasserkonkurrenz zur Rebe reduziert wird. Ebenfalls dient es zum Schutz vor Erosion bei Starkregenereignissen.

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